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FreundinnenDukla also. Ein merkwürdiges Städtchen, von dem aus es nirgendwo mehr hingeht. Danach kommt nur noch die Slowakei, und noch weiter die Bieszczaden, aber unterwegs wiederholt der Teufel wie eine Litanei sein "Gutenacht" und nichts Wichtiges passiert, nur hinfällige Häuser kauern am Strassenrand wie Spatzen auf dem Telegrafendraht, dazwischen windige Viehweiden, obligatorisch vom Himmel abgeschlossen, einem aufsteigenden und sich niederbeugenden, über dem Kopf schwebendem und sich am gegenüberliegenden Rand des Horizonts abstützenden Himmel.

So ist es - Dukla, die Ouvertüre zum leeren Raum.
Wohin fahren nach Dukla? In Dukla kann man nur kehrtmachen. 

Die Welt hinter Dukla S. 67


 

Dort unten, unter der Erde, standen früher Weinfässer, die von der Grenze hergebracht wurden. Die alte Sonne, jahrhundertelang in den Kellern gefangen, muss die Mauern angefressen haben, und jetzt bröckelt alles.

Galizische Geschichten: Die Kneipe S. 68

 


 

Später sah ich ihn noch einmal. Es war am Morgen, der Bus rollte bergab, die Sonne brach sich an den schmutzigen Scheiben, aber einzelne Nadeln von Licht schossen quer durch das Fahrzeug. Er stieg ein wie immer. Als er zu den Sitzen ging, wurde sei Umriss einem Moment lang von der Sonne verschluckt. Er durchbrach die Strahlen, aber sie wuchsen hinter ihm wieder zusammen. Als er sich zu mir setzte sah er wieder normal aus, das heisst so, als wäre er gerade wie damals vom Tisch aufgestanden. Er verzog das Gesicht, als würde er einer komplizierten Anleitung zu einem Lächeln folgen. Es war nichts als Anstrengung darin. „Fasching ist Fasching“, sagte er.

Galizische Geschichten: Lewandowski S.63