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nur diese satte tugend nicht

 

Du? Chef möchtest du sein? Mein Chef? Nein.

Du sagst mir gern, wie klein ich bin. Wie unverständlich mein Benehmen ist, unvorstellbar. So wenig Dankbarkeit.

Stolz bist Du auf Deine Taten. Wenns niemand sagt, so sagst Du's selber.

 

Deine Taten - grosser Gott, was du alles gemacht hast! Du rettest die Welt. Wer, wenn nicht Du? Du erwartest schon ein bisschen Dankbarkeit und die Einhaltung Deiner Zielvorgaben natürlich.

 

Gott – wenn es ihn gibt – liebt sie nicht, Leute wie Dich, selbsternannte Direktoren und Ethikprofessoren, Leute, die in den Komissionen sitzen und Lorbeeren verteilen. Die auf ihre Listen pochen und ihre grossen Taten. Die sich in den Blogs auslassen und sich gerne äussern zum Lauf der Welt.

 

Gott, wenn es ihn gibt, krampft sich der göttliche Magen zusammen, die Brauen ergrauen. Nein hinschauen will er nicht. Nur einfach seine Ruhe haben. Lieber den himmlischen Stereoton auf hundert Phon - Ohren zu.

Viel lieber sind ihm ihm wohl die Bescheidenen, die ganz unauffällig leben, mit schlechtem Gewissen sich verlieren, zwischen den Gestellen im Supermarkt, die verschwinden in den kleinen Gärten, in den Wäldern zwischen dem Laub, die Vergessenen. die kleinen Leute, die nicht gross auftrumpfen an den Partys. Die kleinen Säufer, die beim Giessen zwischen den Narzissen niessen. Unbedeutend vielleicht.

Mach den Mund ganz zu, beweg Dich nicht. Vielleicht schaffst Du's und verschwindest ein bisschen. Versteck Dich und bald wird er wieder lächeln, er, der grosse, Gott - wenn es ihn gibt.

eine unsachliche Polemik in einer verflossenen Zeit, 2001